Servus, meine lieben Weinfreunde!
Schön, dass ihr wieder reinschaut. Heute machen wir Schluss mit dem „Ich-trink-einfach-nur“-Modus und schalten um auf Profi-Detlev. Vergesst komplizierte Lehrbücher und graue Theorie – wir schauen uns an, was wirklich in eurem Glas passiert.
Ich nenne es die „Guck, Schnüffel, Schlürf“-Methode, oder für die Schickimicki-Fraktion unter euch: COS (Color, Odor, Sapor).
1. Gucken (Color): Die Sache mit den Kirchenfenstern 🥛
Bevor die Zunge baden geht, sind die Augen dran. Schwenkt das Glas mal ordentlich (Vorsicht bei weißem Teppich!). Seht ihr die Tropfen, die am Glasrand langsam runterschlängeln? Das sind die berühmten Kirchenfenster oder Tränen.
Dicke, träge Tränen: Der Wein hat ordentlich „Wumms“ – viel Extrakt, viel Alkohol. Ein echtes Kraftpaket.
Dünne, schnelle Flitzer: Eher ein leichtes Tröpfchen, perfekt für die Terrasse, ohne dass man nach zwei Glas direkt das Alphabet vergisst.
Die Farbe verrät uns oft schon das Alter. Ein junger Weißer blitzt euch oft zitronengelb an, während ein Senior (vielleicht ein 10-jähriger Weißburgunder) schon fast wie flüssiges Gold oder Bernstein rüberkommt.
2. Schnüffeln (Odor): Nase rein, Wahrheit raus! 👃
Die Nase ist euer wichtigstes Werkzeug. Sie erkennt, ob der Winzer den Wein in ein Barrique (Holzfass) gesteckt hat (riecht dann nach Vanille oder Toast) oder ob er ihn spontan vergoren hat (eher so rustikal nach Hefe oder Apfel).
Und ganz wichtig: Die Nase ist eure Alarmanlage! Riecht es nach nassem Hund, Essig oder altem Schwefel? Dann weg damit – das ist kein Charakter, das ist ein Weinfehler.
Detlevs Geheimtipp: Erstmal vorsichtig am „kalten“ Glas schnuppern, dann durch Schwenken Luft ranlassen und die Nase tief reinhalten. Da kommen Welten zusammen!
3. Schlürfen (Sapor): Das Überlebensprogramm auf der Zunge 👅
Jetzt wird’s todernst – zumindest für euer Gehirn. Unsere Zunge hat nämlich ein uraltes Überlebensprogramm drauf. Wir schmecken nur vier Dinge (nein, die alte Zungenkarte aus der Schule ist Quatsch, wir schmecken das überall):
Süß: „Geil, Energie!“ (Deshalb lieben wir alle Cola und Schokolade).
Salzig: „Super, Mineralien für den Körper!“ (Erklärt den Heißhunger auf Chips nach einer langen Weinnacht).
Sauer & Bitter: Hier schreit das Hirn: „VORSICHT!“ Sauer bedeutet oft „unreif“, bitter bedeutet „Gift!“.
Beim Wein müssen wir diese Urinstinkte austricksen. Die Bitterkeit der Tannine (Gerbstoffe) oder die knackige Säure sind beim Wein ja gewollt. Unser Körper braucht aber einen Moment, um zu kapieren: „Entwarnung, das ist kein Gift, das ist nur ein verdammt guter Riesling!“
Wusstet ihr das? Wir haben etwa 9.000 Geschmacksknospen, die sich alle zwei Wochen erneuern. Das ist die Chance für alle Ü50: Mit jeder neuen Generation Knospen könnt ihr euren Geschmack neu trainieren!
Die Detlev-Zusammenfassung (Der Profi-Check in 30 Sekunden)
Optik: Tränen-Check! (Viel Alkohol = langsame Tränen).
Nase: Aromen-Check! (Frucht, Holz oder doch der nasse Hund?).
Mund: Struktur-Check! (Süße, Säure, Bitterstoffe – passt das alles harmonisch zusammen?).
Finale: Der „Rückgeschmack“ (retronasal) – was bleibt hängen, wenn der Schluck weg ist?
Vergesst das „Mir schmeckt’s einfach nur“. Werdet zum Entschlüsseler! Wer den Wein versteht, genießt ihn doppelt – und hat beim nächsten Date oder Stammtisch die besseren Sprüche drauf. 😉
Bleibt durstig!
Euer Detlev, der Weinflüsterer 🍷
Inhaber vom gandeshop.de
P.S. Besucht mal meinen Podcast auf YouTube, hier lese ich euch meinen ersten kulinarischen Kriminalroman vor. Einfach auf YouTube klicken!
Archibald und "Der Schatten über dem Millbay Pier" 1. Teil Ein kulinarischer Kriminalroman
Was war euer krassestes Erlebnis beim Schnuppern? Hat euch ein Wein schon mal an Omas Keller oder eine Blumenwiese erinnert? Schreibt’s mir in die Kommentare!
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