Prickelndes Handwerk: Wie echter Winzersekt entsteht von Detlev dem Weinflüsterer

 



Prickelndes Handwerk: Wie echter Winzersekt entsteht

Wenn es im Glas perlt, denken viele sofort an den schnellen Schluck zum Anstoßen. Doch wer einmal hinter die Kulissen eines echten Weinguts blickt, merkt schnell: Sekt ist die Königsdisziplin der Kellerarbeit. Während in großen Fabriken im Tankgärverfahren Millionen Liter produziert werden, ist der Winzersekt ein echtes Charakterstück.

Heute flüstere ich euch ein wenig über die Kunst der Bläschen und warum „traditionell“ hier das Zauberwort ist.


Die drei Wege zum Prickeln

In Deutschland unterscheiden wir vor allem nach der Art, wie die Kohlensäure in den Wein kommt. Je länger der Kontakt mit der Hefe, desto feiner die Perlage.

  1. Die Klassische Flaschengärung (Méthode Traditionnelle): Das Nonplusultra. Der Wein gärt ein zweites Mal direkt in der Flasche, in der er später auch verkauft wird. Rund nur 2 % aller Sekte in Deutschland werden so produziert.

  2. Das Transvasierverfahren: Die Zweitgärung findet in der Flasche statt, aber zur Enthefung wird der Sekt in einen Drucktank umgefüllt und dann neu abgefüllt. Ca. 8 bis 10 % der Produktion in Deutschland.

  3. Das Tankgärverfahren (Méthode Charmat): Hier gärt der Grundwein in riesigen Edelstahltanks. Das geht schnell und ist günstig – hat aber wenig mit dem Handwerk zu tun, das wir heute beleuchten. 88 bis 90 % wird in Deutschland auf diese Weise hergestellt.


Der Fokus: Die traditionelle Flaschengärung beim Winzer

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen (oder die Hefe vom Wein). Der Prozess ist langwierig und erfordert Geduld:

1. Der Grundwein

Nicht jeder Wein eignet sich. Ein Sektgrundwein braucht eine stabile Säure und sollte nicht zu viel Alkohol haben. In Deutschland sind die Favoriten:

  • Riesling: Bringt die typische deutsche Frische und Spritzigkeit.

  • Spätburgunder (Pinot Noir): Oft als Blanc de Noirs (hell gekeltert) für Fülle und Struktur.

  • Chardonnay & Weißburgunder: Sorgen für Schmelz und Eleganz.

2. Die Tirage & Die Ruhe

Dem Wein wird Zucker und Hefe zugesetzt, dann wird er verkorkt. Jetzt beginnt die magische Verwandlung. Mindestens 9 Monate (bei Spitzen-Winzersekten oft Jahre!) liegt der Sekt „auf der Hefe“. Dabei entstehen die feinen Brioche- und Röstaromen.

3. Rütteln & Degorgieren (Das Finale)

Bevor der Sekt zum Kunden darf, muss die Hefe raus. Die Flaschen werden kopfüber in Rüttelpulte gesteckt und täglich von Hand gedreht, bis die Hefe im Flaschenhals sitzt. Beim Degorgieren wird der Flaschenhals eingefroren, der Kronkorken entfernt und der Hefepfropf schießt durch den Eigendruck heraus. Mit der „Versanddosage“ (einem kleinen Schluck Wein-Zucker-Lösung) wird der finale Süßegrad (z.B. Brut oder Extra Brut) eingestellt.


So servierst du Winzersekt wie ein Profi

Ein handwerklich hergestellter Sekt verdient Respekt bei der Präsentation:

  • Das Glas: Bitte keine flachen Sektschalen (da verfliegt das Aroma zu schnell) und auch nicht unbedingt die ganz engen Flöten. Ein schönes, nach oben hin leicht zulaufendes Sektglas oder sogar ein Weißweinglas lässt dem Winzersekt Platz zum Atmen.

  • Die Temperatur: Ideal sind 6 bis 8 °C. Je hochwertiger und reifer der Sekt, desto eher darf er Richtung 10 °C gehen, damit sich die Aromen entfalten.

  • Das Einschenken: Das Glas leicht schräg halten, damit die Perlage (das Mousseux) erhalten bleibt.


Empfehlungen für Spitzenwinzer für Winzersekte:

Führende Winzer für hochwertigen Winzersekt (Klassische Flaschengärung):

  • Sekthaus Raumland (Rheinhessen): Pionier, oft Testsieger mit Blanc de Blancs. Sekt des Jahres 2025, MonRose Grande Cuvée Extra Brut 2012, 97 von 100 Punkten und in der Tat haben Sie auch den 2. und den 3. Platz belegt. Bravo. 

  • Weingut Barth (Mosel): Riesling-Sekte aus Großen Lagen, filigran und elegant.

  • Weingut Eymann (Pfalz): Cuvée Prestige extra brut, komplex und mineralisch.

  • Sektkellerei Bardong (Rheingau): Erbacher Honigberg Riesling, feine Perlage.

  • Wein- und Sektgut Bamberger (Franken): Riesling brut nature, rassig.

Weitere Top: Weingut Aldinger, Griesel & Compagnie, Franz Keller. Perfekt für deinen Wein-Blog! 🥂

Mein Fazit: Wenn ihr das nächste Mal vor dem Regal steht, sucht nach dem Begriff „Klassische Flaschengärung“. Es ist der Unterschied zwischen einem einfachen Getränk und einem flüssigen Kunstwerk.

Euer Detlev, der Weinflüsterer

Inhaber vom gandeshop.de

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